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Wellness-Tipps in Island

Der Schnee, die Kälte und der stetige Wind machten unsere Islanderfahrung authentisch, einzigartig und unvergesslich. Allerdings können wir nicht bestreiten, dass nach einer langen Wanderung oder dem Auskundschaften der wunderbaren und gewaltigen Wasserfälle, die Sitzheizung unseres kleinen KIA Rio ein überaus willkommener Rückzugort bot. Sass die Kälte aber so tief in den Knochen, dass selbst Stufe 3, welche den Allerwertesten auf Gefühlte 50 Grad erhitzte, nicht das gewünschte wohlige Ergebnis brach, blieb uns nur eine Möglichkeit: Wellness!

Heisse Bäder gibt es in Island wie (schwarzer) Sand am Meer. Beinahe jeder noch so kleine Ort besitzt ein geheiztes Schwimmbad und ein dazu gehöriges heisses Bad. Heisse Quellen sind dank den vulkanischen Aktivitäten in Island keine Mangelware und natürlich haben wir auf unserer Rundreise einige davon ausprobiert.

Fontana – Laugarvatn

Fontana Spa ist Wellness pur in Island
Fontana Spa

Wer Island besucht kommt an dem sogenannten „Golden Circle“ wohl kaum vorbei. Dieser bezeichnet die Region im Südwesten des Landes rund um den Nationalpark Thingvellir, die Geysire Strokkur und Geysir und Gullfoss - einem der grössten Wasserfälle Islands. In einem Tag lassen sich die touristischen Highlights erkunden, und wer mit einem Mietauto unterwegs ist, kann (zumindest in der Nebensaison) das Gefühl der Freiheit auf einer leeren Panoramastrasse vorbei an Lavafeldern, Gletschern und aktiven Vulkanen geniessen. Wer die Ziele abgeklappert und dem Wetter erfolgreich getrotzt hat, kann sich am Abend im Fontana Spa in Laugarvatn entspannen. Die Becken variieren in der Temperatur von angenehm warm bis zu sehr heiss mit über 40 Grad. Das Wasser wird direkt aus einer heissen Quelle neben dem Spa bezogen. Mutige können sich direkt im angrenzenden See abkühlen. Die Aussicht wäre perfekt, wäre da nicht der Zaun, der die Sicht leider etwas versperrt.

 

Seit 1929 wird in Laugarvatn im Dampf der heissen Quellen entspannt. Heute haben Besucher die Möglichkeit sich in drei traditionell gehaltenen Steam Baths aufzuheizen. Die Temperatur in den kleinen Holzkammern variiert zwischen 40 und 50 Grad. Der Aufenthalt in den dunklen und eher düsteren Steam Baths ist schon eher speziell. Der nach Eier riechende Schwefel erschwerte uns das Entspannen und das nasse, tropfende Holz ist gewöhnungsbedürftig. Allerdings ist das Sitzen über dem hörbar sprudelnden Wasser aus den heissen Quellen dennoch ein Erlebnis.

Die Umkleidekabinen sind einladend und sauber. Nebst Föhn und Spiegel finden sich auch Abschminkmittel und Wattebäusche, und zum Duschen werden Shampoo, Conditioner und Duschgel der isländischen Naturkosmetikmarke Sóley zur Verfügung gestellt. Richtiger Luxus!

 

Wer nach dem Baden hungrig ist, dem empfehlen wir vorab Essen im Supermarkt zu besorgen. Das doch eher mickrige Buffet im Spa ist selbst für Isländische Verhältnisse sehr teuer.

Wellness und gutes Roggenbrot
Das Rye Bread wird ausgegraben....
Wellness ind Island und Rye Bread passen perfekt zusammen
... und degustiert.

Sollte jemand etwas mehr Zeit in der Region zu Verfügung haben, dem können wir die sogenannte Rye Bread Experience empfehlen. Für 1‘500 ISK (ca. CHF 15.-) kann man live miterleben, wie das traditionelle isländische Roggenbrot nach 24h backen im heissen Boden ausgegraben wird. Das noch warme Brot wird anschliessend mit salziger Butter gegessen. Richtig lecker und unser kulinarischer Favorit!

Secret Lagoon – Fludir

Die Secret Lagoon ist ein Geheimtipp in Sachen Wellness in Island
Secret Lagoon

Etwas authentischer und weniger touristisch erschien uns die sogenannte Secret Lagoon in der kleinen Stadt Fludir, welche sich auch im Golden Circle befindet. Das Becken wurde 1891 gebaut und ist somit der ältesten Swimming Pool in Island. Rund um das Becken brodeln heisse Quellen und ein kleiner Geysir sprudelt ca. alle 5 Minuten in die Höhe. Das einzelne Becken ist nicht, wie die meisten im Fontana Spa betoniert, sondern aus Steinen gebaut. Besucher können auf einem kleinen Holzsteg eine Runde um das Becken drehen und die unterschiedlichen heissen Quellen, den Geysir, das grüne Moos und das alte Steinhäuschen genauer begutachten.

 

Wer hier in der Gegend etwas kleines Essen möchte, dem empfehlen wir wärmstens das Sindri Bakari Cafe in Fludir. Es handelt sich hierbei um eine kleine Bäckerei mit super köstlichen Gebäcken, Mittagmenüs und einer schönen Terrasse für im Sommer.

Leckerer Kuchen nach dem Wellness in Island
Stärkung nach dem Wellness

Krauma – Reykholt

Die Wellness Luxusvariante im Krauma Spa
Krauma Spa

Krauma ist die bis anhin luxuriöseste Variante einer heissen Quelle. In 5 heissen und einem kalten (wirklich sehr kalten) Bad lässt sich hier der Abend sehr gut verbringen. Die Anlage ist schlicht aber dennoch luxuriös gestaltet, und die Aussicht in die freie Natur und auf die Berge ist fabelhaft. Ansonsten geht der Bezug zur Natur jedoch in der betonierten Bäderlandschaft etwas verloren.  Krauma ist das erste Bad auf unserer Reise, welches auch über einen Ruheraum verfügt. Dieser wird mit einem kleinen Feuer in der Mitte geheizt, sehr heimelig.  Auch hier gibt es wieder die Steam Baths für all jene, die sich gerne in Schwefeldampf setzen möchten (wir nicht). Krauma ist nicht sehr gross, aber dadurch nicht zu überfüllt. Den Gästen in Krügen Wasser mit Zitrone und Eis zur Verfügung gestellt.

 

Die Umkleidekabinen sind genauso prächtig wie der Rest der Anlage. Wie schon im Fontana Spa werden schicke Schminktische mit Föhn und sogar Glätteisen angeboten, und dazu Sóleyprodukte zum Verwöhnen. Die Bodylotion riecht herb aber lecker!

Blue Lagoon

Die Blue Lagoon in Island ist ein beliebtes Wellness Ziel
Die Blue Lagoon von aussen

 Hach ja, die Blue Lagoon, die mit Abstand teuerste und ungemütlichste heisse Quelle, die wir in Island besucht haben. Wer behauptet er habe diese Lagune auf Instagram noch nie gesehen, der lügt. Es ist schlichtweg unmöglich, dass die ganzen Gäste mit ihren Handys im Wasser (!) diese Fotos für sich behalten. Wellness ist hier definitiv für die meisten bloss Nebensache.

 

Eigentlich sehr schade, denn die Blue Lagoon hätte viel zu bieten. Das Wasser ist im Gegensatz zu den anderen heissen Quellen kein Süss-, sondern Salzwasser. Es wird erhitzt und arbeitet sich durch die Steine hoch, wobei es mit Mineralien angereichert wird, welche dann dem Wasser die typische milchig hellblaue Färbung verleihen. Bereits vor den grossen Eintrittstouren kann der Besucher einen Blick auf dieses wunderschöne Phänomen werfen. Die Kombination mit der Natur und den schwarzen Steinen ist traumhaft. Leider ganz getreu dem Motto, von aussen hui – von innen pfui! Denn wer die riesige Kassenanlage erst mal passiert hat, dem wird schnell bewusst, dass von Natur im Spa drin, keine Rede mehr sein kann. Bis anhin wurde man immer gebeten, sich gründlich ohne Badeanzug zu duschen, damit keine Seifenrückstände ins Wasser gelangen. Der pure Gegensatz dazu in der Blue Lagoon. Hier wird empfohlen sich die Haare mit einer dicken Schicht Conditioner einzuschmieren, damit sie im Salzwasser nicht zu sehr verkleben. Leider ist Conditioner (und die gratis Gesichtsmaske) nicht das einzige, was im Wasser schwimmt. Im Ticketpreis inbegriffen ist ein Getränk, dieses kann direkt an einer Bar im Wasser bezogen werden, leider gehen nicht alle Besucher rücksichtsvoll um, und so schwimmt ab und zu der eine oder andere Plastikbecher an einem vorbei. Schön und hygienisch ist definitiv anders!

Nebst dem grossen Becken mit Wasserfall und einer Höhle, die in voller Lautstärke in unterschiedlichen Sprachen erzählt, wie die Blue Lagoon entstanden ist (Entspannung hier definitiv nicht möglich) gibt es eine Sauna und zwei Steam Baths. Eines dieser Steam Baths ist in einer dunklen Steinhöhle untergebracht, und diese ist definitiv einen Besuch wert (deshalb, da man hier seine Ruhe hat, weil es zu dunkel für Fotos ist).

 

Der Ruheraum ist sehr klein (im Verhältnis zur Besucheranzahl) und unpersönlich, jedoch ist er selten besetzt und sehr ruhig. Die Duschen erinnern wiederum an Festivalanlagen, da sie überfüllt sind und die Getränkebecher einen unsauberen Eindruck hinterlassen.

 Zum Schluss werden die Gäste durch den Souvenirshop geführt, der blue lagoon Produkte verkauft. Ist eine Gesichtsmaske wirklich 100.- CHF Wert? Da muss jeder für sich selber entscheiden, ob der Preis der Wirkung entspricht. Jedoch nur so viel: die Inhaltsstoffe sind nicht in jedem Produkt so natürlich wie suggeriert wird!


 

Die heissen Quellen in Island sind definitiv einzigartig und sollten auf jeden Fall bei einer Island Reise mindestens einmal besucht werden. Ob dies nun die Blaue Lagune oder doch eher die etwas natürlicher gehaltene Secret Lagoon ist, überlassen wir selbstverständlich jedem selber. Unser persönliches Highlight betreffend Wellness fand aber nicht in einem dieser Bäder statt, sondern nach einer Wanderung durch den Schnee in einem heissen Fluss mitten in der Natur. Auf dieses ganz spezielle Erlebnis gehen wir aber gerne in einem anderen Beitrag ein.

 

- T

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